Es begann recht ruhig,
aber dann ertönten draußen Kanonenschüsse,
und ich war sofort hellwach.
Ich setzte mich aufrecht hin
und bekam ein bisschen Angst.

Jan Vegter

Plakat Jan Vegter
Jan Vegter in Münster – 1939/40, ein seltsames Jahr

Es ist Herbst 1939, Deutschland greift Polen an. Ein niederländischer Junge schaut aus dem Fenster und versucht, die Welt zu verstehen.

Die Zeit des zweiten Weltkrieges ist heutzutage höchst aktuell, doch ebenso abstrakt. Kaum ein Aspekt, der nicht in einer Dokumentation von ZDF-History oder einem Hollywood-Film abgehandelt wurde. Aber gerade wegen der vielen großen Themen, sind die kleinen Geschichten, die individuellen Tragödien, Ängste und Sorgen der Kriegszeit so wichtig zu bewahren und zu teilen.

Eine ganz besondere Geschichte erzählt der Niederländische Künstler Jan Vegter (1927 – 2009). Er skizziert in 51 Zeichnung, die handschriftlich um Gedanken und Erinnerungsschnipsel ergänzt sind, 51 Momentaufnahmen des ersten Kriegsjahres 1939/40. “Ein seltsames Jahr”. So der Titel der Ausstellung, die derzeit im Haus der Niederlande in Münster zu sehen ist.

Ist nun Krieg?

Die Geschichte beginnt im Herbst 1939. Nazideutschland ist soeben in Polen eingefallen. Ein Junge steht am Fenster und beobachtet Menschen die fröhlich sind. Trotzdem fröhlich sind. Er versucht zu begreifen, wie ist das möglich? Der Vater hört Radio und ist besorgt. Ist nun Krieg? Was wird passieren? Die Familie zieht im Winter in eine andere Stadt, nach Meppel. Der Vater ist dort als Soldat stationiert. Der Junge hört dies und das und versucht es für sich einzuordnen. Auch erlebt er die Zeit als Abenteuer, die vielen Militärzüge beispielsweise faszinieren ihn. Und dann kommen die Deutschen, mit Bombenfliegern, mit Motorrädern, Rotterdam wird zerbombt. Der Rauch, sind das auch brennende Menschen? Die Fragen eines Kindes in einer unmenschlichen Situation. Die dicken Deutschen auf Motorrädern scheinen freundlich. Bedanken sich, nachdem sie nach dem Weg gefragt haben. Was ist nun gut und was ist böse? Mit Unbehangen habe ich die Ausstellung betreten, tief berührt habe ich sie wieder verlassen. Und etwas kollektivschuldig.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. August 2016 zu sehen, unbedingt sehenswert.
Öffnungszeiten:
Mo-Fr, 12-18 Uhr
Sa-So, 10-16 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Hier finden Sie alle Grafiken mit den zugehörigen Texten auf Deutsch übersetzt. Ein Besuch lohnt dennoch!

Haus der Niederlande
Krameramtshaus in Münster – Haus der Niederlande

Geburtshaus der Freiheit

Das Haus der Niederlande selbst ist ebenfalls sehenswert und vor allem geschichtsträchtig. Erbaut wurde es von der Kramergilde im 16. Jahrhundert als deren Amtshaus. In den Jahren 1646-48 war es Schauplatz der Friedensverhandlungen zum Ende des 80-Jährigen Kieges. Die Niederländische Gesandtschaft wohnte in der Zeit im Krameramtshaus. Der Friedensvertrag von 1648, der parallel zum Westfälischen Frieden verhandelt wurde, gilt als Geburtsstunde der unabhängigen Niederlande. Damit das Haus der Niederlande wohl auch als Geburtshaus.