Holland Casino Enschede
Modernes Enschede

Käsemarkt oder Achterbahn?

Es war irgendwann in den 80ern. Damals brauchte man noch einen Ausweis um nach Holland zu fahren. Wir haben immer “Holland” gesagt, auch wenn wir in die östlichen Provinzen der Niederlande fuhren. Wir wollten nach Enschede auf den Markt fahren. Was da so besonders wäre, fragte ich mich. Käse kaufen? Hm! Damit kann man einen 14-Jährigen wohl kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Schon gar nicht vom Fußballplatz weg. Damals hatte ich Glück: mein Ausweis war plötzlich verschwunden. So fuhren wir ins Phantasialand.

Heute würden mich keine zehn Pferde mehr in eine Achterbahn bekommen, aber ich fahre regelmäßig auf den Markt nach Enschede. Zuletzt etwa zwei Mal im Jahr. Das aus gutem Grund: die mit rund 150.000 Einwohnern größte Stadt der Provinz Overijssel ist vom östlichen Ruhrgebiet die nahegelegenste Großstadt in den Niederlanden und der samstägliche Wochenmarkt ist immer ein lohnender Anlass.

Ein kalter Dezembertag

Der Morgen Anfang Dezember begrüßt mich noch frostig, doch der Tag verspricht Sonnenschein und einige Grad im Plusbereich. Gute Bedingungen für einen Marktbummel und Cafébesuche zum Aufwärmen. Mal wieder lekker in het Nederlands praten.

Stadshuis Enschede und Oude Markt
Stadshuis Enschede und Oude Markt

Ein wenig ist es schon Routine, parken am Bahnhof, die Wochenendausgabe der Volkskrant kaufen und zum zweiten Frühstück ins Bagels & Beans. Bagel mit Ziegenkäse und Honig, eine Tasse Tee.  Mh! An diesem Tag ist es hier allerdings zu voll und für die Zeitungslektüre zu unruhig. Ich denke, ich passe mein Ritual beim folgenden Besuch an.

Markt mit Käse und Pfeffernüssen

Die zahlreichen Einkaufstrassen in der Altstadt sind belebt, doch nicht so proppenvoll, wie es jetzt vermutlich der Westenhellweg (Dortmund Fußgängerzone) ist. Ich bummel ein wenig durch die Geschäfte und bleibe eine Weile in der Buchhandlung Broekhuis. Ich schaue vor allem nach Hörbüchern (Luisterboeken). Aus deutschen Buchhandlungen kenne ich das typische CD-Format, hier ist es größer, sodass ich trotz Nachfrage etwa drei Runden durch das Erdgeschoss gehe, bevor ich das mir beschriebene Regal finde. Ich schlage zu: drei Hörbücher. Sehr begeistert bin ich von “Taal is zeg maar echt mijn ding” von Paulien Cornelissen. Wer ein wenig Niederländisch versteht begegnet hier auf unterhaltsame Weise den Feinheiten und Eigenarten der Sprache. Echt té gek, zeg!

Fischstand Markt Enschede
Alles frisch – Fischstand auf dem Markt

So, nun aber. Ich wollte doch Markt! Also auf zum Van Heekplein. Der Platz ist moderner, anders als der Oude Markt, von hohen Neubauten umfasst. Und hier tummeln sich einkaufswütige Niederländer und Tagesgäste. Deutsch ist viel zu hören, auch einige Stände richten sich mit ihren Angeboten an die Oosterburen.

Der Markt bietet zahlreiche typische Ware, das Käseviertel, das Fischviertel, das Obst- und Gemüseviertel. Burger und Pommes Frites, Brot und Gebäck, aber auch Souveniers: Holztulpen, Klompen in FC Twente-  und sogar in BVB-Dekor. Laut preisen heisere rauhe Männerstimmen mit “Halllloooo” ihre Ware an, “günstig nur hier!!” Is klar!

Hoher Besuch

Am Samstag vor Sinterklaas darf natürlich auch der hohe Bischof nicht fehlen. Begleitet von einer ganzen Fußballmannschaft an Zwarten Pieten, die vor begeisterten Kindern und Eltern singen, tanzen und Pfeffernüsse verteilen. Ich schlendere noch einmal um die Stände, hole mir patat speciaal und komme am Stand mit den Lakritzen nicht vorbei.

Sinterklaas und Zwarte Piet
Sinterklaas besucht den Wochenmarkt

Nun bin ich wieder ausreichend durchgekühlt für eine zweite Café-Leserunde. Ich gehe ins Sam Sam am Oude Markt. Mit koffie verkeerd und appeltaart. Hier ist es, obwohl auch recht gut gefüllt, deutlich entspannter als die erste Leserunde. Im Sam Sam bin ich gleich schon neben dem Concordia Filmtheater. Doch entscheide ich mich gegen einen zunächst angedachten Kinobesuch. Die letzte Sonne ist verschwunden, es ist gerade mal halb fünf, aber es zieht mich nach Hause, hinter den Ofen.

… und wenn es einmal wärmer ist …

Beim nächsten Besuch, in einer wärmeren Jahreszeit gibt es den Roombeek Kulturpark zu entdecken oder im näheren Umland von Enschede die Twekkelo Wanderwege.

Mehr Tipps gibt es auf der Seite der deutschsprachigen Seite der Stadtinformation Enschede.

Ein wenig fehlt mir in Enschede schon das typisch “Schnuckelige”, was andere niederländische Städte haben, Wasser, Grachten, Hausboote. Ein wenig von dem findet sich in den Straßen der Altstadt, mit ihren Backstein-Giebelhäusern. Aber alleine wegen der Nähe, komme ich bald zum Zeitungskauf und für einen Cafébesuch wieder her.