Amsterdam
Amsterdam

Amsterdam. Lange war ich nicht hier, ich weiß nicht mal, wann zuletzt. Vor rund 20 Jahren wohnte ich in dieser quirligen, doch gemächlichen Metropole, in der es zu allen Jahreszeiten von Touristen wimmelt, mit unendlich vielen fietsen und Verkehr in engen Gassen. Doch überall gibt es kleine Fluchten, lauern ruhige Ecken und laden zum Verweilen ein, zum Entspannen vom Großstadtrummel. Aus einem Hauseingang zieht Haschgeruch. Jugendliche schweben abwesend die Grachten entlang. Englische Junggesellenabschiede gröhlen, kichernde russische Mädchen und staunende Asiaten machen Selfies im Rotlichtviertel.

Amsterdam ist mir vertraut. Ich kenne Straßen und Grachten, verlaufe mich nicht in den zum Verwechseln ähnlichen Querstraßen. Spaziergänge kommen mir in den Sinn, die ich einst unternahm. Dort möchte ich jetzt hin, über diese Brücke, dann jene Gracht entlang. Durch den Jordaan, zum Noordermarkt, zum Amstelveld, zum Vondelpark. Gibt es wohl dieses Geschäft, jenes Café noch? Und dort konnte man herrlich auf der Brücke sitzen, beim abendlichen Bier. Es ist Sommer.

Einiges hat sich verändert. Zu meinem Bedauern gibt es die Villa Zeezicht nicht mehr, dort gab es die berühmteste appeltaart der Stadt. Aber vieles ist noch wie es damals war. So ist der Besuch auf dem Spui beim Amsterdammer Lieverdje Pflicht, ein beliebter Treffpunkt für abendliche Unternehmungen am Rande des Grachtengürtels. Sagte ich damals?  Dabei fühlt es sich doch gar nicht an, als wäre es schon 23 Jahre her.

1994/95 war ich mit einem Erasmus-Stipendium an der Universiteit van Amsterdam. Unter anderem über das Austauschjahr in Amsterdam schrieb ich einen Gastartikel auf buurtaal.de.

Am Amsterdam lieverdje
Het lieverdje und ich

Erster Besuch in Amsterdam als Hollandblogger – der unbeschreibliche Scheinriese

Weshalb war ich hier so lange nicht?  Vor allem: Weshalb war ich in den zwei Jahren, in denen ich über die Niederlande blogge noch nicht hier? Amsterdam ist wohl der Scheinriese, der sich in einen Blogartikel kaum fassen lässt. Also ist es kein Zufall, dass mein erster Besuch als Hollandblogger mich in einer anderen Rolle in die wilde, kreative Hauptstadt der Niederlande führt. Privat, touristischer Wochenendausflug, Vater und Sohn. Ich der Sohn. Eigentlich hatte gar nicht geplant, einen Artikel über den Wochenendausflug nach Holland zu schreiben. Diesmal mochte ich nicht mit dem Bloggerauge durch die Stadt laufen, wollte Tourist sein. Keine gezielten Tipps sammeln, nicht alles auf schöne Kameraperspektiven hin betrachten. Vor allem keinen gezielten Stadtbummel schnurstraks zu berichtenswerten Locations, sondern mich, beziehungsweise uns, treiben lassen vom Tag. Die Stadt und das Flair an Grachten und Plätzen genießen, Zeit haben. Mein Vater ist zudem nicht so gut zu Fuß, das schränkte unseren Aktionsradius deutlich ein. Das Tagesticket für die Straßenbahn erweiterte ihn wieder.

Planung: Wochenende Amsterdam und Nordsee

Geplant war ein verlängertes Wochenende Nordsee plus Amsterdam. Es war das erste Ferienwochenende in NRW. Wir wollten in Zandvoort übernachten und mit der Bahn nach Amsterdam fahren. Oder eine Unterkunft in Harlem finden, von dort ist beides gut erreichbar. Zandvoort war bereits gut gebucht, freie Hotelzimmer gab es ab 150 €, Amsterdam ebenfalls und alle Übernachtungsangebote dazwischen waren weit vom Bahnhof entfernt.

Schließlich wurde es Almere, die moderne Boomtown auf dem Flevoland-Polder, gegründet in der frühen 1980ern und inzwischen mit rund 200.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt der Niederlande. Der Intercity fährt hier halbstündlich und braucht 20 Minuten bis Amsterdam Centraal. Almere ist Heimat vieler junger Familien, die Randstadt ist für Arbeitspendler gut erreichbar.

Wir wohnten gut und zentral im Hotel Finn. Nicht weit entfernt auf dem Grote Makt tobte auch das Nachtleben. Also: Fenster zu, denn wir wohnten ja zentral.

Amsterdam Gracht
Gracht in Amsterdam

Mit dem Zug zum Strand – Nordsee in Zandvoort

Gewissermaßen der Hausstrand von Amsterdam ist Zandvoort, einiger der wenigen Orte an der niederländischen Nordsee, die direkt mit der Bahn erreichbar sind. Entsprechend voll mit Tagesbadegästen war unser Zug am frühen Freitagmittag an die Nordsee. Dazu kamen die Feriengäste im Ort. Auf dem weitläufigen Strand, verlief sich die Menge glücklicherweise. Es waren genügend Strandliegen frei und auch ein Platz in einem der Standpavillons, die sich unterhalb der Promenade aneinanderreihen, war schnell gefunden. So fanden wir, was wir suchten: Strandspaziergang, Füße ins Wasser und anschließend einen schattigen Sitzplatz mit Blick auf die Weiten der Nordsee, dazu Wellenrauschen und Möwengeschrei.

Strand in Zandvoort
Am Nordseestrand von Nederland – Zandvoort

In Zandvoort ist ein Besuch im Strandgutmuseum, dem Juttersmuseum, sehr zu empfehlen. Es zeigt bei freiem Eintritt kuriose Dinge, die die Zeit im Ort an den Strand gespült hat. Das Museum befindet sich im Gebäude zwischen den Treppen, die vom zentralen Platz an der Promenade zum Strand hinunter führen.

Auch der Ort ist einen Besuch Wert. Die Fußgängerzone bietet die üblichen Geschäfte mit Strandutensilien und maritimem Krimskrams, Cafés, Eisdielen und Restaurants.

Unterwegs mit dem Zug

Almere – Amsterdam

Die Zugfahrt von Almere Centrum bis Amsterdam Centraal dauert 20 Minuten, Intercity-Züge fahren ohne Zwischenhalt im Halbstundentakt bis nach Mitternacht. Zusätzlich fahren Sprinter-Züge, die unterwegs halten und 30 Minuten Fahrzeit benötigen.

Am Automat bekamen wir ein Dagretour-Ticket (Hin- und Rückfahrt am gleichen Tag) für 13,20 €, das bei Online-Kauf noch 1 € günstiger wäre.

Almere – Amsterdam – Zandvoort

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Dagretour-Ticket bis Zandvoort (22,40 €), mit Umsteigen dauert die Fahrt rund eine Stunde und darf unterbrochen werden.

Fahrten planen und Online-Tickets kaufen geht einfach auf der Seite der Nederlandse Spoorwegen (NS), auf Niederländisch oder Englisch. Für das Smartphone gibt es die NS-Reisplanner-App, dort können auch Handy-Tickets gekauft werden.

Nahverkehr in Amsterdam

Der Amsterdammer Nahverkehrsbetrieb GVB bietet eine Tageskarte für 7,50 € an, diese gilt für Straßenbahnen und die U-Bahn. Mehr von der Stadt sieht man natürlich mit der Straßenbahn.

Bei allen Fahrten ob mit Zug oder der Straßenbahn gilt: immer an den Piepsgeräten einchecken und auschecken. Das kann man aber kaum übersehen , denn man wird häufig genug darauf hingewiesen.

Weitere Info über Amsterdam

Artikel über Amsterdam auf nach-holland.de

Tipps zur Anreiseauf nach-holland.de: PR-Parkplätze in Amsterdam 

Gibt es denn bald auch mehr Amsterdam auf blog speciaal?

Na klar. Dieser Artikel entstand spontan, da mein Besuch in Amsterdam mich sehr begeistert hat. Sehr gerne möchte ich für mehrere Tage nach Amsterdam und vergleichbar mit dem Inseltagebuch ein Blogtagebuch schreiben und jeweils zu verschiedenen Themen und Perspektiven Amsterdam beleuchten. Ich hoffe, dazu komme ich im nächsten Jahr.