Anderhalvemetersamenleving

anderhalvemetersamenleving
Anderhalvemetersamenleving – mit Abstand durch die Corona-Zeit

Die Niederlande ist in der Corona-Krise auf der Suche nach dem neuen “normal”. In der Diskussion der letzten Wochen machte dabei ein Stichwort die Runde: anderhalvemetersamenleving, die Anderthalbmeter-Gesellschaft.

Doch was ist schon normal in Zeiten, in denen das Corona-Virus den Alltag bestimmt? Es gelten seit Anfang März in Deutschland, etwas später auch in den Niederlanden, Ausgangsbeschränkungen. Zusätzlich wird empfohlen, einen Mindestabstand zum nächsten Mitmenschen von eineinhalb, besser zwei Metern Abstand einzuhalten.

Maßnahmen verstärken oder lockern? Sich einrichten mit dem Ausnahmezustand

Die Fallzahlen der Viruserkrankung steigen inzwischen langsamer, als zu Beginn der Epidemie. Daher fordern einige, die Beschränkungen zu lockern. Andere sehen gerade im Sinken des Krankenstandes einen Erfolg und raten, jetzt nicht vorschnell zu reagieren. Es werden zudem Gesichtsmasken empfohlen, die die Ausbreitung des Virus einschränken soll. Eine weiter Hoffnung ist eine App, die nachverfolgen kann, wer in welchem Zeitraum in die Nähe eines Erkrankten kam und daher Vorsichtsmaßnahmen erhöhen sollte.

Die Gesellschaft sieht sich derzeit wöchentlich neuen Herausforderungen gegenübergestellt. Wie kann es da langfristig, und davon gehen Wissenschaftler aus, ein neues ‘normal’, einen dauerhaften gesellschaftlichen Konsens geben?

We zullen met elkaar moeten zoeken naar het nieuwe normaal in de anderhalvemetersamenleving”

Ministerpräsident Mark Rutte auf einer Pressekonferenz am 7. April 2020

Doe eens normaal: anderhalvemetersamenleving

Während in Deutschland alle zwei Wochen die Lage neu beurteilt wird und die Maßnahmen angepasst werden sollen, hat Mark Rutte bereits den Weitblick parat. In die Diskussion hat der niederländische Ministerpräsident das Stichwort der Anderthalbmeter-Gesellschaft eingebracht. In dieser könne sich die Gesellschaft über eine absehbare Zeit einrichten.

Wie könnte diese Gesellschaft aussehen? Und würde sie weitestgehend akzeptiert werden? Gehen wir davon ausgehen, dass ein wirksames Medikament oder ein Impfstoff frühestens 2021 verfügbar ist. Bis dahin wird es keine Immunität durch eine ausreichend hohe Rate an Genesenen geben. Also bleibt es bei Einschränkungen in jedem Fall bis ins kommende Jahr.


Der Weg in neue normal: Abstand in der Anderthalbmeter-Gesellschaft (ab ca. Minute 4:30)

Restaurantbesuche möglich? Nur mit Abstand!

Somit ist klar, dass eine dauerhafte Schließung vieler Wirtschaftszweige sowie der Schulen bis ins kommende Jahr keine Lösung ist. Ein vorsichtiges und rücksichtsvolles Zusammenleben in dieser Zeit wäre aber möglich. Nämlich unter der Voraussetzung, dass alle Menschen genügend Abstand zueinander einhalten. Selbst Restaurantbesuche oder Theaterveranstaltungen mit einem kleineren Publikum wären so denkbar.

Schwieriger sind nach wie vor Friseurbesuche und auch das Rotlichtviertel in Amsterdam dürfte noch für eine Weile geschlossen bleiben. Doch viele Teile der Wirtschaft könnten wieder anlaufen. Ob die anderhalvemetersamenleving funktioniert wird letztlich davon abhängen, wie groß die Akzeptanz der Regelungen ist. Denn dort wo sich wenige nicht an die Abstandsregel halten, werden für alle striktere Maßnahmen nötig.

In Ergänzung mit einer Maskenpflicht, dort wo man sich doch näher kommen könnte, und einer App, die anonymisierte Daten erfasst, könnte das gelingen. Da bin ich mal vorsichtig optimistisch.

Danke an Katja B. Zaich, die de anderhalvemetersamenleving im Polderblickpodcast zur Corona-Situation in den Niederlanden angesprochen hat. Dort bin ich dieser passenden Wortschöpfung erstmals begegnet.

 

 

 

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Über Oliver

Oliver Hübner ist Blogger und Autor - Webtextler und Westostler. Begeistert für drop, fiets, patat, Amsterdam, noordzee, stroopwafels und Nederlands praten, kurzum, für das schöne Land an Maas und Waal. Geboren in Unna, Studium in Berlin und Amsterdam, pendelt zwischen Ruhrgebiet und Mecklenburg-Vorpommern.

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