Blau machen mit Delfter Porzellan – Tradition zum Selbstgestalten

Royal Delft
Ach wär ich doch Vermeer – blau machen mit Royal Delft

Weltberühmt: das Blau aus Delft

Kunstvolle Tulpenvasen, Schiffs-, Blumen- und Windmühlenmotive auf quadratischen Kacheln. Das sind Kunstwerke, die wir sofort vor Augen haben, wenn wir an niederländisches Porzellan denken. Die Hauptstadt der niederländischen Porzellantradition ist Delft, die typisch holländische Grachtenstadt zwischen Den Haag und Rotterdam. Der Begriff Delfter Porzellan und Delfter Blau, der markante Farbton der Porzellanmalerei, sind zu einer weltweit bekannten Marke geworden.

Malset Royal Delft
Das Material zum Teleworkshop

Die Tradition der niederländischen Porzellanmanufakturen geht dabei, wie so viele kulturelle und technische Errungenschaften, auf das Goldene Zeitalter der Niederlande zurück. Durch den Seehandel mit Südostasien und China gelang Porzellan in die Niederlande. Als um 1620 der Handel mit China unterbrochen wurde, wollten die Niederländerinnen und Niederländer nicht auf das weiße Gold verzichten. So suchten und fanden sie einen Weg, das Porzellan in ihrer Heimat herzustellen. Zum Zentrum wurde Delft. Von 26 Porzellanmanufakturen, die es zur Blütezeit in Delft gab, hat aber nur eine die Jahrhunderte überdauert, Royal Delft.

Mehr über die Geschichte des Delfter Blau.

Ein virtueller Workshop: Kacheln zum Selbstbemalen

Für das Bemalen des Porzellans ist natürlich jahrelange Praxis erforderlich. Zumindest für die Porzellanobjekte, die im Geschäft erhältlich sind. Doch weshalb nicht mal so eine Kachel anbieten, zum Selbstbemalen? Die Idee wurde allerdings aus der Not geboren. Denn in Zeiten der Corona-Epidemie können viele Museen nicht ihr übliches Programm anbieten. Daher entwickelte das Porzellanmuseum von Royal Delft einen Videomalkurs und ein Set mit allem Nötigen, um das gute Delfter Porzellan zu Hause selbst zu gestalten.

Teleworkshop Royal Delft
Alles bereit, gleich geht’s los – Teleworkshop präsentiert von Edo Anceaux (links, Royal Delft) und Champ Bouwman (rechts, NBTC Niederlande)

Auf Einladung des Niederlande-Marketing NBTC und Royal Delft durfte ich mich an einer Kachel probieren. Der Paketbote brachte mir ein Set, der Workshop fand, wie seit langem aus dem Homeoffice vertraut, per Online-Streaming statt.

Ich hatte alles bereit gelegt: Zwei Pinsel, zwei Scherben, die blaue Farbe und zwei Kacheln. Eine glasiert und eine mit rauer Oberfläche, auf der bereits feine blaue Punkte vorgezeichnet sind. Dazu noch eine Vorlage und im Prinzip konnte es losgehen. Doch halt! Die Linienführung und der elegante Schwung mit dem Pinsel wollten geübt sein, bevor die blaue Farbe unumkehrbar in den feinen Poren der Kachel versinken würde. Ich stellte es nach wenigen Strichen schon fest: das Material verzeiht keine Fehler.

Kachel mit Motiv
Drei Phasen einer Kachel: punktiert, liniert, flächendeckend

Scherben bringen Sicherheit – erst das Üben, dann die große Kunst

Zum Üben waren die Scherben im Malset enthalten. Pinsel 1, der Feine: Linien ziehen, immer von oben nach unten. Änderte sich die Richtung der Linienführung, drehte ich die Unterlage. Etwas Wasser, etwas Farbe, angerührt wurde auf der glasierten Kachel, denn von dort war die Farbe abwaschbar. Nun noch den dicken Pinsel testen, der sollte die Flächen füllen. Die ersten Linien gelangen. Auch die kleinen Kreise, gemalt in zwei Halbkreisen von oben nach unten, wurden von Versuch zu Versuch besser.

Bereit für die große Kunst! Dass es gleich eines der berühmtesten Gemälde der niederländischen Kunstgeschichte sein würde, motivierte mich, schreckte aber auch etwas ab. Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge, bekannter als das Mädchen mit den Perlenohrringen, von niemand geringerem als Jan Vermeer, der wie das Porzellan aus Delft stammte.

Abendstimmung in Delft
Abend am Marktplatz von Delft, hier wird das blaue Porzellan prominent angeboten

Oli Vermeer oder Oliver Meer?

Natürlich fiel mir gleich ein passendes Wortspiel mit dem Namen des Künstlers ein: nun war ich Oli Vermeer oder Oliver Meer, schief gehen konnte also nichts mehr. Und schließlich musste es nicht täuschend echt aussehen.

So zog ich mit dem feinen Pinsel die Linien auf die quadratische Fläche. Das Motiv war gut erkennbar, klasse! Nun die Flächen. Zunächst lehrte mich unser Workshopleiter, live übertragen aus dem Museum in Delft, eine helle Farbe anzumischen. Denn dunkler ginge später immer noch, heller nicht. Die Flächen werden also von hell nach dunkel aufgetragen. Tiefe erlangt das Kunstwerk durch eine Vielzahl an Farbschattierungen. Die Meisterinnen und Meister benutzen mehr als zehn, ich gab mich mit fünf zufrieden. So zauberte ich dem Mädchen ein blaues Gewand und eine gesunde Wangenfarbe in Türkis. Voilà, gar nicht so hässlich!

Aus der Karton-Verpackung der Kachel wurde nach zwei Faltungen ein Standrahmen mit Schutzhülle. Eine sinnvolle Idee, denn die getrocknete Farbe färbte bei Berührung noch ab, da die Kachel nicht glasiert oder gebrannt wurde. So ziert die junge Dame nun meine Holland-Ecke. Zwischen Leuchttürmen und Muscheln vom Nordseestrand. Sie macht sich sehr kunstvoll!

Oostpoort Delft
Ehemaliges Stadttor: das Oostpoort in Delft

Tagestrip nach Delft

Doch ein Ausflug lohnt sich nicht nur für das Delfter Porzellan. Die Stadt in der Provinz Süd-Holland ist eine zauberhafte Grachtenstadt mit Giebelhäusern, Backsteinkirchen, kleinen Brücken, stolzen Stadttoren und belebten Plätzen.

Delft habe ich bisher nur für einige Stunden besucht, es war Anfang 2019. Tagsüber war ich an der Nordsee, Abends schlenderte ich durch das stimmungsvolle Delft. Beeindruckend ist auch der zentrale Marktplatz mit dem Rathaus und dem 109 Meter hohen Turm der Nieuwe Kerk. An diesem Platz befinden sich viele der Geschäfte, die das Delfter Porzellan anbieten.

Porzellanmeisterin in Delft
Im Atelier der Meisterin – Bild mit freundlicher Genehmigung von Royal Delft

Museum Royal Delft

Das Museum und die Schauwerkstatt sind für Besuche geöffnet. Da zur Zeit strenge Besuchs- und Reiseregeln gelten, gibt es auch einen virtuelle Museumsrundgang. Es ist zudem die letzte verbliebene Porzellanmanufaktur, die seit 1653 Porzellan fabriziert. Beeindruckend: Selbst eine Nachtwache von Rembrandt ist hier in Blau auf Weiß zu bestaunen.

Das Museum befindet sich etwa einen Kilometer südlich des Stadtzentrums, am Rotterdamseweg 196.

Nachtwache in Delfter Blau
Rembrandt ganz in Blau – die Nachtwache auf Porzellan

Danke

Der Online-Workshop fand im Oktober 2020 im Rahmen einer virtuellen Pressereise des Niederlande-Marketings NBTC (holland.com/DE) und der Manufaktur Royal Delft statt.
Danke an den NBTC für diese virtuelle Pressereise, besonders an Natalie Poloczek für die Einladung und Champ Bouwman für die virtuelle Betreuung.
Vielen Dank an die Porzellanmanufaktur und das Porzellanmuseum Royal Delft für diese besondere Erfahrung, dort besonders an Edo Anceaux für den lehrreichen und unterhaltsamen Online-Workshop.

Das Malset ist über den Shop von Royal Dutch zu beziehen, das Video ist auf dem Youtube-Kanal von Royal Dutch zu finden:

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Disclaimer:
Die Teilnahme am Kurs und das Malset waren für mich kostenlos. Dieser Artikel ist kein bezahlten Content.

 

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Über Oliver

Oliver Hübner ist Blogger und Autor - Webtextler und Westostler. Begeistert für drop, fiets, patat, Amsterdam, noordzee, stroopwafels und Nederlands praten, kurzum, für das schöne Land an Maas und Waal. Geboren in Unna, Studium in Berlin und Amsterdam, pendelt zwischen Ruhrgebiet und Mecklenburg-Vorpommern.

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