Inseltagebuch Texel – Teil 1: eine geheime Route und eine köstliche Probe

Inseltagebuch Texel 1
Den Geheimnissen von Texel auf der Spur – Die Geheimnisroute, hier bei Oudeschild

Es war eine Rückkehr nach Hause. So vertraut fühlte sich die Insel an, gestern bei der Ankunft. Bereits der Weg zur Fähre in Den Helder.  Das Warten am Fährhafen, beinahe jedes Gebäude war mir vertraut. Ich kann kaum schätzen, wie häufig ich diese Überfahrt, die 20 Minuten über die Nordsee, bereits gefahren bin. Mir fallen aber mindestens zehn verschiedene Unterkünfte auf der Insel ein und auf dem wundervollen Campingplatz in den Dünen von De Koog (Kogerstrand) waren wir mehrfach. Also lege ich mich mal fest: 20 Mal!

Zuletzt leider nicht mehr so häufig, mein letzter Besuch war 2014. In der Zeit, in der es dieses Blog gibt, seit 2016, also noch gar nicht. Seltsam, seltsam, habe ich doch an anderer Stelle geschrieben, dass Texel die schönste Insel der Welt ist! Einerseits wollte ich wohl gern für mein Blog Neues entdecken, andererseits schien mir Texel für drei Tage Inseltagebuch zu groß. Und seine Vergangenheit zu mächtig. Daher sollte ein Inseltagebuch von Texel ganz besonders werden. Also übte ich mit Vlieland und Ameland. So wird es sein.

In diesem Jahr habe ich mir deshalb mehr Zeit eingeräumt: drei ganze Tage auf der Insel, drei Tage, an denen ich ein Inseltagebuch schreibe. Der erste Tag war zum Ankommen und für mich. Zum Texelluft schnuppern, in Erinnerungen schwelgen. Zu schauen, was ist geblieben, wie ich es kenne, was sich verändert hat. Meine Bleibe für die vier Tage ist die Pension B&B Orchidee, die am südlichen Ortsrand von De Koog liegt.

Und heute geht es los. In diesem Jahr hatte ich das Glück, dass die VVV Texel mich bei der Programmplanung unterstütze* und ich einige Angebote einer Pressereise annehmen konnte. Dafür vielen Dank!

Geheimnisroute – von Gartenlabyrinthen und steinernen Erdmännchen

Durch die Hilfe bei der Planung habe ich viele Tipps bekommen, auch für Unternehmungen, die ich bisher nicht kannte. So ergab sich gleich heute die erste Gelegenheit, Texel jenseits meiner Lieblingswege kennenzulernen. Heute stand die Geheimnisroute auf dem Plan. Eine Fahrradroute von 34 Kilometern durch die südliche Hälfte der Insel.

Sommeltjes auf Texel
Psssst geheim: Sommeltjes, leider schon versteinert …

Mein Einstieg war am Texelmuseum, dem EcoMare. Dort fuhr ich tatsächlich das erste Stück auf völlig neuen Wegen. Es ging südlich von De Koog quer durch die Insel in östliche Richtung. Zunächst in ein geheimnisvolles Waldstück. Es wird von seltsamen Wesen bewohnt, den Sommeltjes. Das sind lichtscheue Erdwesen, die zu Stein erstarren, sobald sie das Sonnenlicht bestrahlt. In dem Wald ist ein Erlebnispfad für Kinder eingerichtet, in dem schon einige steinerne Sommeltjes zu finden sind, neben vielen anderen Tieren und Wesen. Aber psssst: ist ja geheim!

Lieblingsstrecke: Am Waal en Burgerdijk

Nach einigen Kilometern traf ich auf meine Lieblingsstrecke auf der Insel, den Waal en Burgerdijk. Dieser Deich verläuft in der Inselmitte zwischen De Koog und Den Burg und grenzt den ältesten Polder der Insel ab. Ein wunderschöner Weg entlang kleiner Kanalgräben, begleitet von hohen Hecken. Obwohl ein Polder ist die Landschaft hier nicht eintönig. Der Deich verläuft geschwungen an Schafs- und Kuhweiden entlang und auch an kleinen Seen und Tümpeln. Die Landschaft hier ist besonders. Auf den salzigen Böden wachsen Pflanzen, die sonst nur jenseits der Deiche auf den Gebieten wachsen, die der Küste zugewandt sind.

Durch den kleinen Ort De Waal ging es weiter ostwärts, zwischen Oosterend und Oudeschild erreichte ich die Ostseite von Texel, den Deich am Wattenmeer. Dieser ist ein befestigter Deich, der untere Teil fest eingefasst, der obere Teil eine Graskrone, auf der Schafe weiden. Der Radweg führte unterhalb der Krone auf der Wattenseeseite entlang, sodass der Blick frei über das Meer bis zum Festland schweifen kann.

Deich am Wattenmeer
An der Wattenseite

Mittagsrast am Hafen

In wenigen Kilometern Entfernung war bereits der Hafen von Oudeschild zu sehen. Für mich der passende Ort für die Mittagspause. Doch nicht nur für mich. Der Hafen schien heute sehr beliebt, daher war der Andrang auf die Fischrestaurants dort entsprechend groß. So ging ich in die kleine Einkaufsstraße abseits des Hafens. Dort ich fand eine Platz im Fischimbiss für den Kibbeling zum Mittag. Von der Anderthalbmetergesellschaft war allerdings wenig zu spüren. Es war einer der Momente, an dem mir meine Reise angesichts der erneuten Ausbreitung des Coronavirus unpassend schien. Doch kaum hatte ich die Einkaufsstraße verlassen, war ich beinahe wieder allein unterwegs.

Da die Sonne sich nun entschlossen hatte zu scheinen, war der Blick zurück auf Oudeschild fantastisch. Wie gemalt lag der Ort und die strahlend weiße Kirche hinter den Wiesen. Das nächste Ziel: der Hohe Berg, Hoge Berg. Dieser ist mit 15 Metern Höhe die höchste Erhebung im Süden Texels, wohl abgesehen von den Dünen.

Hier lauerte das nächste Geheimnis, ein kleines Wäldchen mit dem Namen Doolhof. Sein Besitzer legte dort im 18. Jahrhundert ein Labyrinth an. Auf einer Anhöhe liegt ein Stein, der, so sagt man, unter der Nordsee mit England verbunden ist. Er wird daher der englische Stein genannt wird. Ob es stimmt? Auch das ist ein Geheimnis dieser Insel!

Die Geheimnisroute – 34 Kilometer

Die Geheimnisroute ist kein offizieller ausgeschilderter Weg. Sie kann anhand folgender Knotenpunkte gefahren werden:
Einstieg am EcoMare bei Knotenpunkt 17 – 70 (Sommeltjes) – 65 – 49 – 56 – 57 – 59 – 37 – (meine Variante über Oudeschild: 38 – 39) – 42 (Doolhof) – 41 – südlich an Den Burg vorbei bis zur 26 (Abstecher nach Den Burg: zunächst zum Knotenpunkt 76 – 14 – südlich von Den Hoorn bis 10 – 11 – 05 (Der geheime Wald) – 15 – 16 – 17

Auf dem Weg nach Den Horn kürzte ich die Route etwas ab und verzichtete auf den Schwenk nach Den Burg. Routenvorgaben sind zwar schön und hilfreich, doch darf man sich je nach Situation und Vorlieben davon auch mal absetzen! Finde ich.

Schafe bei den Burg Texel
Typisch Texel, Schafe, Schafstall, Kirche

In und um Den Hoorn verraten mehrere Küstenpfähle den Verlauf der Flutlinie der vergangenen Jahrhunderte. So wird der uralte Kampf der Niederlande mit dem Wasser sehr anschaulich dargestellt. Und plötzlich fühlt sich der feste Boden unter den Füßen (oder Rädern) nicht mehr so selbstverständlich an, wie auf den Kilometern zuvor! Die Küstenlinie von 1290 verlief beispielsweise direkt durch den Ort Den Hoorn. Hierher führt ab Knotenpunkt 10 ein Abstecher zu KP 09 und KP 12.

Im weiteren Verlauf Richtung De Koog ist der Geheimniswald (Het Geheim) bei Knotenpunkt 5 und die ehemalige Quelle Fonteinsnol (zwischen den Knotenpunkten 5 und 15) sehenswert. Zum geheimen Wald gibt es eine Wanderung von 2,5 Kilometern. Am Fonteinsnol befindet sich ein Aussichtsturm im Wald mit herrlichem Blick über die Dünen bis zur Nordsee.

IJs van Ans
Mobile Eisdiele an Knotenpunkt 5: IJs van Ans

Auch das war ein schönes Erlebnis: bei Knotenpunkt 5 erwartete mich der mobile Eiswagen IJs van Ans. Dort sind liebevoll gestalteten Sitzplätze auf Baumstämmen eingerichtet, sogar ein echter Thronstuhl mit roten Decken ist für die Eiskunden bereitet. Ich testete die Sorten Bokkenpootjes, nach einem niederländischen Gebäck mit Schokolade und Mandeln, und Schafsmilch-Sanddorn. Interessant!

Speciaalbierbrauerei De Boie

Ein ganz anderes Geheimnis, nämlich ein handwerkliches, steckt im Getränk das Braumeister Joscha Schoots mir heute zeigte. Wenige hundert Meter nördlich von Den Hoorn liegt der Gutshof Bonte Belefenis. Neben einer Bäckerei, einer Seifensiederei und einer Destillerie befindet sich dort die Brauerei De Boie. Die unterschiedlichsten Sorten von leicht bis sehr stark werden hier gebraut. Mit einer Gesamtmenge von 8.000 Litern im Jahr gehört De Boie aber zu den kleineren Brauereien, nur eine der fünf auf Texel beheimateten Brauereien ist kleiner.

Sortiment Brauerei De Boie
Wie die Orgelpfeifen – Speciaalbiertjes der Brauerei De Boie

Das Bier wird im Hofladen angeboten und ist in einigen Geschäften auf der Insel zu bekommen. Ebenso, wie der eigene Genever und der Whiskey in mehreren Sorten. Eine besondere Spezialität. Ich durfte drei Sorten des Biers kosten. Hier wird mit Honig, mit Hafer gebraut und auch mit Koriander gewürzt. Das war ein kleines Geheimnis, das uns Braumeister Schoots verriet.

Ausklingen am Strand

Doch auch die Nordsee wollte ich heute noch einmal sehen. Den Abend ließ ich also am Strand ausklingen, an meinem Ende der Geheimnisroute. Bei Knotenpunkt 17 liegt nämlich auch Paal 17 und dort der Strandpavillon Paal 17 aan Zee.

Nordsee Texel
… den Wellen lauschen und den Tag ausklingen lassen

Danach setzte ich mich einfach noch an den Strand, sitzen, den Wellen zuhören und glücklich sein. Auch die Fahrradtour konnte ich in den Beinen noch spüren, ebenso, wie das Nachwirken des Lotsenbiers von De Boie. Ein Tag, der mit leichtem Regen begann und mit strahlenden Sonnenschein endete. Danke, was für ein Tag auf der schönsten Insel der Welt!

Danke!

* Danke an die VVV Texel und an Felicitas van Daalen (Agentur van Daalen Werbung & PR) die ein ganz wundervolles Programm für diese Tage organisiert hat. Auch vielen Dank an die Pension B&B Orchidee in De Koog für einen günstigen Übernachtungspreis.

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Das Inseltagebuch von Texel – was sonst noch geschah:

Inseltagebuch Texel Teil 2

Inseltagebuch Texel Teil 3

 

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Über Oliver

Oliver Hübner ist Blogger und Autor - Webtextler und Westostler. Begeistert für drop, fiets, patat, Amsterdam, noordzee, stroopwafels und Nederlands praten, kurzum, für das schöne Land an Maas und Waal. Geboren in Unna, Studium in Berlin und Amsterdam, pendelt zwischen Ruhrgebiet und Mecklenburg-Vorpommern.

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