Inseltagebuch Texel – Teil 3: Trauben, Trampeln, Traditionen

Schafstall Texel De Koog
Weites Dünenland mit Herberge für Schafe, in der Nähe von De Koog

Badetag!

Heute war ich in der Nordsee! Juhu! Zwar nur meine Füße, dafür hat aber auch meine Hose eine Welle abbekommen. Das Wasser war überraschend warm. Allerdings nur, weil ich die Temperatur ohne ernsthafte Badeabsichten getestet habe, vermute ich. Es war Flut, am Strand von De Koog, die Wellen schwappten hoch, meine Hose weiß davon!

Stolz und exotisch: Der Wein von Texel

An meinem dritten Tag, eigentlich ja der vierte auf der Insel, hatte ich noch ein überschaubares Restprogramm. Das war aber sehr exotisch: Ich wollte den Wein von Texel verkosten! Den besten Wein von Texel, wie ich später erfuhr.

Weinreben Texel
Fuhrpark am Rebstock – Wijngaard Kroon bei Den Burg

Wein, Texel, genau. Hier fließt keine Mosel, hier gibt es keine mineralhaltigen Schieferböden, hier scheint nicht die Sonne Südfrankreichs. Doch auf dieser wunderschönen Insel in der Nordsee wird Wein angebaut. Das Terroir: sandig!

Das Weingut Kroon besteht auf Texel bereits seit 16 Jahren. Seit 13 Jahren produziert es den vielleicht exotischsten Wein der Niederlande. Dabei ist das Weingut in der Nähe von Den Burg nicht einmal das nördlichste Weingut der Niederlande. Das liegt im friesischen Twijzel auf dem Festland. Doch ist es der einzige Wein, der auf einer der niederländischen Watteninsel gekeltert wird. Und das gar nicht schlecht, denn es kommt auf die Sonnenstunden an, vor allem im Herbst. Da zählt nicht nur die Lage am Südhang der Wiese. Wo wäre die auch, hier auf dem flachen Land.

Weintrauben Texel
Hier wächst der beste Wein von Texel

“Meine Frau musste ihre Pferdeweide opfern, als wir mit dem Weinanbau begannen”, berichtet Winzer Jan-Jaap Kroon, der beim Rundgang um seine Reben einige Anekdoten aus eineinhalb Jahrzehnten Weinanbau preisgab. Dass er stolz auf seine Trauben und den daraus gewonnen Wein ist, verrät ein Name seiner Weine: Trots, auf deutsch Stolz. So heißt die Qualitätsmarke des Weinguts. Diese ist nur in Jahren im Angebot, in denen die Qualität den Ansprüchen für die Marke Trots auch genügt. Es kommt auf die richtigen Anteile der Weinsäure, der Milchsäure und anderer Säuren an. Natürlich auch auf einen hohen Alkoholgehalt, der den Wein voller munden lässt. Beim Trots beträgt der 12,5 %.

2018 hatten die Trauben Johanniter und Sauvignier Gris den Qualitätsstandard erfüllt. Daher kamen wir bei der Verkostung heute Mittag in den besonderen Genuss. Auch im Angebot sind die Sorten Lotte, ein halbtrockener Wein, und Jorik, der eine stärkere Säure aufweist.

Echte Weinfans können auf dem Hof auch übernachten: Direkt neben den Reben vermietet der Winzer ein Gästezimmer.

Urlaubstradition mit Kamin: Pfannkuchen im Catharinahoeve

Es war sicher ein Wink des Schicksal, dass die Weinprobe mich in der Mittagszeit genau in die Nähe des Catharinahoeve geführt hatte. Einem alten, reetgedeckten Bauernhof, in dem ich vermutlich 1975 bereits Pfannkuchen aß. Auch heute knisterte der offene Kamin inmitten der Gaststube. Auch heute gab es Pannenkoek, den typisch niederländischen Pfannkuchen.

Kamin Catharinahoeve
Heimelig am Kamin – Catharinahoeve

Die Auswahl wird sich seit den 1970er-Jahren wohl verändert haben. Damals wählte ich sicher klassisch Apfelpfannkuchen. Heute war mein großer Teigfladen gefüllt mit Paprika, Zwiebeln und Nüssen und mit Käse überbacken. Reichhaltig und daher die ideale Mahlzeit nach der frühmittaglichen Weinprobe.

Während unserer Familienurlaube war der Besuch im Catharinahoeve immer ein besondere Unternehmung. Schon damals gab es dort glaube ich einen wunderbaren Spielplatz. Heute hat er mich allerdings weniger gereizt.

Zum Fußbad fietsen

Nun galt es fast schon Abschied nehmen, von der schönsten Insel der Welt*. Ein letzter Nachmittag stand bevor. Kurz überlegte ich noch eine Fahrradrunde über Den Burg nach Oudeschild zu unternehmen und dort ins Museum Kap Skill zu gehen. Dort wird die maritime Geschichte von Texel und vom Hafen Oudeschild erzählt. Ein Hafen mit einer großen Bedeutung im Goldenen Jahrhundert. Diese Tatsache war mir bisher gar nicht so gegenwärtig. Die Geschichte mit dem Schiffszwieback und den Möweneiern von Eierland machte mich gestern aber neugierig.

Doch entschied mich für einen ruhigen Nachmittag, so bleibt mir eine Sache auf Texel für den nächsten Besuch noch offen. Ein Grund für eine Wiederkehr, wie schön!

Strandhütten Texel
Ein Haus am Meer – Strandhütten bei Paal 21

Plan B: Fahrradrunde

Stattdessen fuhr ich mit meinem Rad durch die Dünen bis De Koog, Mittagsschlaf, Kaffee bei Paal 21. Guter Plan!

Den Strandpavillon bei Paal 21, ein Stück nördlich von De Koog, kannte ich bisher nicht, er wurde mir aber vor der Reise ans Herz gelegt. Zu Recht, er hat einen individuell gestalteten Innenraum und auch eine besonders gemütliche und mit geschützten Nischen ausgestattete Terrasse. Ich hatte leider nur noch Zeit für einen Kaffee, da ich ja noch baden wollte, die Füße. Und bis 18 Uhr sollte mein gemietetes Fahrrad zurück sein in De Koog. Mist. Also bleibt noch ein Punkt offen für den nächsten Texelbesuch.

Füße im Wasser
Badetag! Zumindest für die Füße

Mein Bad in der Nordsee fiel allerdings wenig üppig aus: Hose hochkrempeln, einige Meter ins Meer watscheln, bei der zweiten Welle die Hose bis zum Knie nass werden lassen und dann wieder raus. Aber: Ich war der Held der Nordsee! Ich war im Wasser, wenn auch nur mit den Füßen. Zum Baden wäre die Wassertemperatur wohl noch erträglich, doch hätte ich mehr Respekt vor den hohen Wellen. Einerlei, die Seepferdchenprüfung hatten meine Füße heute bestanden.

Abendrunde De Koog

Nun hieß es wirklich Abschied nehmen von De Koog. Fahrrad wegbringen, einmal durch Dorf laufen. Noch eine vegetarische Krokette bei Paul Patat? Oh, lange Schlange! Ganz anders noch, als am Mittwoch, als meine erste Runde durch den Ort genau dort begann.

An diesem Wochenende wurde es noch einmal voller, als unter der Woche. Überhaupt haben viele ihren Inselbesuch in diesem Jahr aus dem Sommer in den Herbst verlegt. So war hier ein wenig das Gefühl von Hochsaison. Weniger Familien, da ja keine Ferien waren. Aber, wer sich nicht an diese halten muss, der plante 2020 lieber für September, als für Juli.

Abend De Koog
Abendstimmung in De Koog

Reisen und Corona

Als ich meinen Aufenthalt auf Texel für September plante, tat ich es in der Hoffnung, dass das Thema Corona bis dahin kaum noch relevant wäre. Leider sind im Spätsommer bis in den September hinein die Fallzahlen wieder gestiegen. Damit auch das Risiko? Schwierig zu sagen. Gerade in den Niederlanden stieg die Anzahl der positiven Teste enorm. Beinahe sogar auf den höchsten Tageswert aus dem März/April (11.09.2020: 1.270, 13.04.2020 1.345, Quelle: Worldometers, RIVM). Die Zahlen sind sogar fast so hoch, wie in Deutschland (11.09.2020: 1.618, Quelle: Worldometers, Tagesspiegel), bei einem Fünftel der Einwohnerzahl.

Ja, ich mache mir Gedanken. Und bin in der Regel eher vorsichtig, als gleichgültig. In den Niederlanden gelten deutlich laschere Regelungen als in Deutschland. In Geschäften und Supermärkten ist das Tragen von Masken beispielsweise keine Pflicht. Das war für mich anfangs irritierend. Andererseits gilt die Abstandsregel sehr strikt, so sind alle Fußgängerzonen in den Niederlanden in zwei Richtungsspuren eingeteilt, um sich dort nicht in die Quere zu kommen. Allerdings ignorieren viele das auch. Ich erlebte schon sehr gedrängte Situationen. Viele Gaststätten sind aber sehr bemüht, die Abstandsregelung einzuhalten, klare Eingangsregelungen mit Warten am Eingang sind an der Tagesordnung. Das wird sogar sehr geduldig ertragen.

Also: Es ist schwierig. Ich denke, es wäre derzeit vernünftiger gewesen, nicht zu reisen. Doch, ach! Es war seit Juni geplant und dann fahre ich halt. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich mich auch gut gefühlt. Die Insel ist weitläufig, ich konnte meist draußen sitzen, in Geschäften waren meist wenig Menschen. So habe ich es vor mir verantwortet, doch zu fahren. Und Stand heute habe ich nicht bereut!

Danke Texel, danke für die Unterstützung zu diesem Inselbesuch!

Im Gegenteil: Ich habe die Tage hier sehr genossen! Es war ein Heimkommen, ein Luft holen, ein arbeitssames Erholen an einem besonderen Ort. Die Luft, der Wind, die Düfte, die Radwege, die Landschaft. Es ist ein zweites Zuhause für mich. Es fühlte sich gut, nach 2014 wieder einmal auf diese traumhafte Insel zu fahren.

Danke, Texel, dass es Dich gibt, dass Du bei aller Veränderung über die Jahre noch Deinen Charakter bewahrt hast. Dass es viele Ecken und Wege gibt, die noch so sind, wie in den 1970er-, 1980er-, 1990er-Jahren. Und es hoffentlich auch in 30 Jahren noch sind, wenn ich mit dem E-Scooter über die Insel düse: Ich komme wieder, so oft es geht!

Mein expliziter Dank gilt noch einmal der VVV-Texel, die mich bei der Reise unterstützt hat und mir einige Besuche und Aktivitäten kostenlos ermöglichte. Auch dafür, dass ich einen Tag das Instagram-Accout TijdVoorTexel übernehmen durfte!

Danke Felicitas van Daalen mit ihrer Agentur van Daalen Werbung & PR die ein ganz wundervolles Programm für diese Tage organisiert hat. Und Danke an Jannie und René Rijk mit ihrer Pension B&B Orchidee in De Koog für einen günstigen Übernachtungspreis und die herzliche Aufnahme in ihrem Gästezimmer.

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Das Inseltagebuch von Texel – was sonst noch geschah:

Inseltagebuch Texel Teil 1

Inseltagebuch Texel Teil 2

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* Aus “111 Gründe, die Niederlande zu lieben”, Grund 5: Weil Texel die schönste Insel der Welt ist

auch interessant:

De Slufter

Inseltagebuch Texel – Teil 2: Salzgewächse, Schafskäse, Schiffbrüche

Inseltagebuch Texel 1

Inseltagebuch Texel – Teil 1: eine geheime Route und eine köstliche Probe

Über Oliver

Oliver Hübner ist Blogger und Autor - Webtextler und Westostler. Begeistert für drop, fiets, patat, Amsterdam, noordzee, stroopwafels und Nederlands praten, kurzum, für das schöne Land an Maas und Waal. Geboren in Unna, Studium in Berlin und Amsterdam, pendelt zwischen Ruhrgebiet und Mecklenburg-Vorpommern.

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