Vlieland Kerkplein
Die Nicolaaskerk (rechts) und das Diakoniehaus (im Hintergrund) am Kerkplein in Oost-Vlieland

Vlieland – Watteninseln komplett

Die gute Nachricht zu erst: ich bin auf der richtigen Insel gelandet! Die schlechte, die eigentlich nicht wirklich eine schlechte Nachricht ist: es war stürmisch, bei der Überfahrt hat es mächtig geschaukelt und es gab viel Nasses von oben. Nun bin ich also auf Vlieland, der zweitkleinsten der fünf bewohnten niederländischen Watteninseln, die ich seit heute auch alle besucht habe. Und es ist herrlich! Doch verlief die Reise nicht ohne Komplikationen.

Ein unerwarteter Rundgang durch Harlingen

Am frühen Mittag erreichte ich den Fährhafen in Harlingen, einer der elf friesischen Städte und ein sehr sehenswerter Ort zudem. Gebucht hatte ich die Schnellfähre um 12.30 Uhr. Zu meiner großen Verwirrung fuhr allerdings keine Fähre um 12.30 Uhr nach Vlieland. Aber eine nach Terschelling, die Nachbarinsel, die ebenfalls von Harlingen aus angesteuert wird. Hm. Was tun? Irgendwie erinnerte ich mich, dass ich von Fährverbindungen über Terschelling nach Vlieland gelesen habe, doch das sollte wohl angezeigt werden. Allen Verbindungen des Tages wurden auf einem großen Bildschirm im Fährterminal angezeigt.

Fähre nach Terschelling
Da fährt meine Fähre, aber nach Terschelling

Am Infostand erfuhr ich dann, dass ich doch noch die Gelegenheit hatte, eine Runde durch Harlingen zu spazieren. Denn ich hatte tatsächlich eine Überfahrt nach Terschelling gebucht. Auch eine schöne Insel, also nicht tragisch, doch hatte ich die Übernachtung auf Vlieland gebucht. Und geplant ist schließlich geplant!

Es war glücklicherweise kein Problem, auf die 14 Uhr-Fähre umzubuchen. Sogar den Zuschlag für die Schnellfähre bekam ich erstattet. Ich war erleichtert und bin mir ein Rätsel: wie kam ich nur zu dieser Fahrkarte? Danke jedenfalls an die Reederei Doeksen für den unkomplizierten Umtausch. Nein, ich bemühe jetzt keinen Vergleich mit der Deutschen Bahn. Also eine Runde durch den windigen Hafen von Harlingen, einen Gruß dem ehemaligen Leuchtturm und dem Walfischbrunnen im Hafen, einem der elf Brunnen der Kulturhauptstadt 2018.

Es war noch Zeit für Kibbeling und friet am Fährterminal und endlich ging es auf die Insel. Leider erst mit Ankunft um 15.30 Uhr und nicht um 13:15 Uhr, wie erwartet. Vielleicht war es aber auch ein Glück, denn ich hatte die 60 Meter lange Fähre ‘Vlieland’ unter meinem Hintern und nicht das eher zierliche Schnellboot ‘Tiger’, heute wohl ein Spielball der Wellen. Das Schaukeln der großen Fähre hat mir jedenfalls gereicht. Zwar liebe ich das Meer, doch ein Seemann bin ich am liebsten vom Hafencafé aus. Der Blick auf die Boote mit den Füßen auf festem Grund ist mir lieber, als der von Deck an Land. Jedenfalls sobald eine Windstärke herrscht.

Vlieland Regen
Hafen von Oost-Vlieland, Ankommen im Regen

Eine echte Insel

Doch das Abenteuer der Überfahrt hat sich gelohnt! Vlieland ist nämlich eine echte Insel! Eine, die mit dem Boot erreicht werden muss. Und wie eine Insel fühlt es sich hier auch an. Auch wenn mein Empfang, der erste Schritt auf dieses Stückchen Land im Ozean, bei Regen stattfand, durchströmte mich ein Glücksgefühl, das so nur eine Insel zu erzeugen vermag.

Im vergangenen Jahr fuhr ich mit dem Auto auf meine Inseltagebuch-Insel, Schouwen-Duiveland, und musste mich etwas winden, um die ehemalige, nun über einen Damm erreichbare, Insel als solche durchgehen zu lassen. Aber es kann ja nicht immer alles perfekt sein.

Der einzige Ort auf Vlieland ist Oost-Vlieland. Dort wohne ich auch für drei Tage im Hotel De Kluut. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab es auch den Ort West-Vlieland, das aber durch Abtragen der Küste aufgegeben werden musste. Den Ort habe ich heute nur bei Regen erlebt, aber er schien mir auch ruhiger als beispielsweise Nes auf Ameland. Vlieland ist in Bezug auf touristischen Trubel irgendwo zwischen Schiermonnikoog und Ameland einzuordnen. Das ist mir sehr sympathisch. In einigen Geschäften suchte ich Schutz, wenn der Regen mal eine stärkere Phase hatte. Ich entdeckte auch bereits Vieles, was ich mir in den kommenden zwei Tagen anschauen möchte. Für heute stand aber als erstes ein Strandbesuch und natürlich der Strandpavillon auf dem Programm. Beide befinden sich gut einen Kilometer nördlich vom Dorf.

Füße im Meer
Beste Fußmassage: Barfuß am Strand

Wind und Wellen – Kraft der Natur

Der Strand von Vlieland ist breit. Und heute Nachmittag war er beinahe menschenleer. Der starke Wind trieb den Sand über den regenfeuchten Strand, die Wellen tosten. Ein Tag am Meer, den ich liebe, wenn alle Kräfte der Natur zu spüren sind. Und wenn das Gesicht vom Wind ganz ausgekühlt ist, dann geht es in den Strandpavillon! Das Badhuys , einer von zwei Strandpavillons auf Vlieland ist eher gehobene Gastronomie. Hier gibt es auch das Gentlemen Steak für über 40 Euro. Ich nahm die Suppe zum Aufwärmen und ein Bierchen zum Erfrischen, ja die Kombination ist zulässig, finde ich. Und er schönste Moment im Strandpavillon ist schließlich der, an dem das Blut und das Leben in das vom Wind ausgekühlte Gesicht zurückkehrt. Für abends ist im Badhuys allerdings eine Tischreservierung zu empfehlen, denn alle Tische in erster Reihe, mit Logenblick aufs Wasser, waren für später bereits vergeben.

Vlieland Strandszene
Spektakulär: Lichtspiel am Strand

Auf dem Rückweg konnte ich sogar etwas Sonne einfangen. Ich ging ein gutes Stück am Strand entlang, bis zum Campingplatz Stortemelk. Glücklicherweise mit Rückenwind, hatte allerdings so das teils spektakuläre Lichtspiel aus Sonne und Wolken hinter mir. Den Platz zeichnet aus, dass dort bereits alle Zelte aufgebaut sind. Wohl aus dem Grund, dass Vlieland für Touristen autofrei ist – Insulaner dürfen ein Auto haben, eins mitzubringen ist nicht erlaubt –  bietet der Zeltplatz bereits stehende Zelte zum Verbleib an. Keine Unterkünfte des letzten Outdoor-Katalog-Schreis, daher wirkt der Zeltplatz etwas aus der Zeit gefallen. Stoffzelte und Holzhütten dominieren das Bild, die Farbe fast durchgängig beige. Doch ist gerade das der besondere Charme des Platzes.

Ich habe wohl einige Kilometer heute gemacht, eine große Runde um den Ort, fünf mögen es gewesen sein. Ich freue mich auf die kommenden Tage. Ab morgen entdecke ich die Insel mit dem fiets, einige schöne Orte habe ich bereits auf dem Plan.