Mit dem weißen Fahrrad durch die Hoge Veluwe
Landschaft erradeln: mit dem witte fiets durch den Nationalpark De Hoge Veluwe

Die Wege durchqueren die weiten Flächen, hier mit Heidekraut, dort mit Grassoden, auch sandige Flächen bis zum Waldrand in der Ferne. Einzelne Bäume von mächtiger Größe behaupten auf ihnen ihren Platz. Auch kahle Baumgerippe, skurrile Formen, die Überreste eines Brandes, haben die Zeit überdauert und sind dem morschigen Verfall überlassen. An einem Wochenende schlängelt sich zeitweise Fahrrad an Fahrrad, eine lange Linie die in der Ferne in einem Waldgebiet verschwindet, viele davon die weißen Fahrräder, die es kostenlos zu benutzen gibt. Wir sind im Nationalpark De Hoge Veluwe, an einem frühsommerlichen Tag.

Heidelandschaft Hoge Veluwe
So weit das Auge reicht: Heidelandschaft De Hoge Veluwe

Einst Jagdrevier heute Nationalpark – De Hoge Veluwe

Im Osten der Niederlande liegt zwischen den Städten Arnhem und Apeldoorn der 54 Quadratkilometer große Nationalpark De Hoge Veluwe. Er war ursprünglich das Jagdrevier des Ehepaares Hélène Kröller-Müller und Anton Kröller, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für die Jagd scheint diese Landschaft auch wie geschaffen. Weite Flächen unterschiedlichen Charakters wechseln sich mit Waldgebieten ab. Der Blick kann an manchen Stellen über Kilometer in die Ferne wandern, andernorts bieten Bäume und sanfte Hügel gute Versteckmöglichkeiten für das Wild. Mufflons und Hirsche wurden hier für die Jagd ausgesetzt.

Stilvoll zur Jagd, das Jagdhaus St. Hubertus nach Entwurf von Hendrik P. Berlage

Jagdresidenz mit Stil

Und die Besitzer residierten mit Stil. Ein sehenswertes Jagdhaus, man möchte Jagdschloss sagen, befindet sich im Norden des Parks. Das Jagdhaus Sint Hubertus, wie sollte auch sonst ein Jagdhaus benannt werden, als nach dem Schutzpatron der Jagd, wurde 1920 nach einem Entwurf des Architekten Hendrik Berlage im Stil der Klassischen Moderne gebaut. Auch die Inneneinrichtung mit kunstvoll gekachelten Räumen hat der Vertreter der Amsterdamer Schule entworfen. Der Grundriss des Jagdschlosses ähnelt der Form eines Hirschgeweihs. Das Jagdhaus ist im Rahmen einer Führung zu besichtigen.

Die Kunstsammlung des Ehepaares, eine der umfangreichsten Sammlungen moderner Kunst und von Skulpturen in den Niederlanden, ist ebenfalls im Nationalpark zu sehen, im Kröller-Müller Museum. Es bietet unter anderem die größte van Gogh Sammlung weltweit.

Ein Sonntag im Park

Ich weiß nicht, ob es eine gute Entscheidung war, ausgerechnet an einem Sonntag hierher zu kommen, in meinem Fall war es sogar der Pfingstsonntag. Der Plan stand für mich bereits länger, mit einem der witte fietsen durch die Hoge Veluwe zu radeln. Mehrere Male musste ich den Plan allerdings verschieben. Denn das Wetter sollte passend für schöne Fotografien sein und am Tag der Sturmwarnung wollte ich nicht unbedingt durch den Wald fahren. Am Pfingstsonntag schien dann alles zu passen. Ich machte mich extra früh auf den Weg, da ich eines der 1.800 kostenlosen Leihfahrräder bekommen wollte. Gegen 10.30 Uhr am Parkeingang in Hoenderloo war das kein Problem, die Fahrradparkplätze etwa 200 Meter vom Eingang entfernt waren noch fast alle belegt.

Doch am frühen Nachmittag herrschte hier der erste Engpass. Bald aber schon trudelten die ersten Tagesbesucher von ihrer Tour wieder ein und stellten ihre Leihräder für die nächsten Gäste zur Verfügung.

Das weiße Parkfahrrad Hoge Veluwe
Hab eins! Auf dem witte fiets durch den Nationalpark

Das Auto bleibt draußen

Das Auto parkte ich außerhalb des Nationalparks. Es ist zwar möglich, mit dem Auto in den Park zu fahren, bis zum Besucherzentrum und zum Kröller-Müller Museum, doch stand für mich heute Fahrradfahren auf dem Plan. Die weißen Fahrräder sind schlicht, keine Gangschaltung, als Bremse nur die Rücktrittbremse und, um Nerven der Fauna und Besucher zu schonen, auch keine Klingeln.

Da alle Räder mit einem Kindersitz ausgestattet sind, erwies sich der Gepäcktransport als schwierig! Ich konnte im Tagesverlauf Jacke und Pullover aber im Kindersitz mit den Gurten festschnallen. Auch besitzen die Räder keine Schlösser, sie werden einfach abgestellt. Am Wegesrand oder an den vorgesehenen Parkplätzen. An den attraktiven Punkten, wie Jagdhaus, dem Besucherzentrum und am Kröller-Müller Museum, sah ich beides: in Gruppen am Wegesrand geparkte Räder und in den Fahrradständern abgestellte. Ich vermute mal, es gibt ein stillschweigendes Abkommen, dass ich nur die aus den Ständern entnehmen darf. Ob sich aber auch alle daran halten, wenn die Auswahl knapper wird?

Allein auf weiter Strecke und Hochbetrieb

Vormittags war ich fast noch alleine auf den Radwegen unterwegs. Selbst am Jagdhaus war es noch ruhig. So spazierte ich ein Stück am kleinen See entlang, über den die Perspektive auf das Gebäude beeindruckend ist. Der Turm, wohl einem Hochsitz nachempfunden, ragt hoch über die Bäume hinaus. Durch die Spiegelung im Wasser bekommt das Backstein-Ensemble eine zusätzliche Symmetrie. Auf den Tee im Teepavillon musste ich noch einige Minuten warten, es war noch vor 11 Uhr, als ich dort ein zweites Frühstück nehmen wollte.

Radweg Hoge Veluwe
Radeln durch den Nationalpark Hoge Veluwe

Mittags, vor allem in der Nähe des Besucherzentrums und des Kröller-Müller Museums, nahm der Radverkehr deutlich zu. Die Radwege sind meist so breit, dass zwei Räder nebeneinander fahren oder sich begegnen können. Da viele Gruppen unterwegs waren, ergaben sich allerdings oft Engpässe, wenn sich Gruppen nicht schnell zu einer Linie formen konnten, bei Gegenverkehr. Auch mit unsicher Radlerinnen und Radlern, die sich nicht so nah an den Wegesrand trauten, gab es einige enge Begegnungen. Doch gab es auch andere Ecken im Park, an denen es kaum Radverkehr gab.

Wanderwege sind extra ausgewiesen, auch das ist sinnvoll. Diese sind nicht befestigt, sondern verlaufen über mehr oder weniger ausgetretene Pfade, teils recht sandig, durch die Landschaft. Einige reizten mich sehr, die habe ich mir für den nächsten Besuch aufgespart.

Unterschiedliche Parzellen

Die Fahrt ging zunächst durch ein Waldgebiet. Hier fällt besonders das viele Totholz auf, das vor Ort verbleibt und nicht weggeräumt wird. Der Wald scheint nicht komplett sich selbst überlassen, wie es in deutschen Nationalparks üblich ist. Hier und dort wurde die Säge eingesetzt,  doch bleibt das Holz vor Ort und darf verrotten. So entstehen Flächen, an denen sich junge Bäume entwickeln können und Biotope für viele Arten.

Im Norden des Parks, auf dem Weg vom Jagdhaus St. Hubertus fuhr ich durch eine bizarre Landschaft. Kaum Gewächse, die es schaffen den kargen, sandigen Boden zu erobern. Es scheint die trockenste Parzelle des Nationalparks zu sein.

Baumstämme Hoge Veluwe
Skurrile Skelette: Diese Baumstämme überstanden ein Feuer im Nationalpark

In anderen Abschnitten sieht es deutlich grüner aus. Teilweise überwiegen von Wildschweinen durchwühlte Grassoden, andere Flächen sind mit Heidekraut oder jungen Birken bewachsen. Sehr skurril empfand ich eine Parzelle etwa südöstlich des Kröller-Müller Museums. Hier hat vor einigen Jahren wohl ein Brand weite Flächen verwüstet. Viele kahle Baumstelle haben den Brand überstanden und sind nun sich selbst und dem langsamen, morschigen Verfall überlassen. Einige wirken wie Gruppen aus skurrilen Skeletten. Auch das ist im Sinne des Nationalparks, der wenig menschliches Eingreifen in die Natur vorsieht.

Museonder – Naturkunde unter den Baumwurzeln

Zentral im Park, etwa auf halber Strecke zwischen den Eingängen Hoenderloo und Otterlo, liegt das Besucherzentrum. Ein sehr modern gestalteter Neubau steht wohl vor seiner baldigen Eröffnung. Die goldig glänzende Metallhülle finde ich allerdings eher für ein Kunstmuseum passend, als für einen Nationalpark. Passender erschiene mir hier ein Gebäude in ökologischer Bauweise, ausgestattet mit Solarpanels und Dach- und Fassadenbegrünung. Aber vielleicht liegt das ja auch zu Nahe am Klischee und Naturschutz darf heutzutage auch glänzend und prunkvoll daher kommen.

Museum Museonder im Nationalpark Hoge Veluwe
Museum unter den Baumwurzeln – Lehrreiches über das Erdreich im Museonder

Ein besonderes Erlebnis war das Museum unter den Baumwurzeln, das Museonder. Was da so alles unter der Erdkrume, unter unseren Füßen wächst und gedeiht! Tiere in ihren Höhlen, junge Pflanzen auf dem Weg ins Licht. Auch Knochenfunde aus der Vorzeit. Im überirdischen Teil des Museums habe ich viel über die Geschichte der Veluwe, auch die Landwirtschaft in und um den Nationalpark erfahren. Vor allem für Kinder ist hier ein bildlicher Zugang zu Vorgängen in der Natur möglich.

Und natürlich die Kunst

Bei meinem letzten Besuch im Nationalpark de Hoge Veluwe habe ich auch die große Kunst im Kröller-Müller-Museum bestaunt, daher ließ ich sie bei diesem Besuch aus. Am Gebäude fuhr ich dennoch vorbei, vor allem um Monsieur Jaques einen Besuch abzustatten. Gewiss werde ich mir aber in Zukunft das Museum ein zweites Mal ansehen, denn die kunstvolle Kost ist reichlich und mit einem Besuch nicht zu erfassen. Ein Plan für den nächsten Besuch könnte also sein: Wandern plus Kunst.

Weiße Fahrräder Hoge Veluwe
Ausreichend Auswahl: Die weißen Fahrräder am Parkplatz

Fazit

Ein Besuch im Nationalpark Hoge Veluwe lohnt sich sowohl für Kunstinteressierte, als auch für Liebhaberinnen und Liebhaber der Natur. Wer es lieber etwas weniger trubelig hat, der besucht den Nationalpark besser nicht an Wochenenden. Ich empfehle etwas Zeit mitzubringen und den Besuch im Besucherzentrum und im Kröller-Müller Museum mit einer Radtour zu verbinden. Mindestens die Nordrunde von einem der Eingänge Hoenderloo oder Otterlo zur Jagdhaus. Wer eine große Fahrradrunde auch über die Südschleife plant, der nimmt sich besser nur eine der beiden Attraktionen vor, Museum oder Besucherzentrum. Die weißen Parkfahrräder genügen den meisten Ansprüchen und sind die meiste Zeit über verfügbar. Besser ausgestattete Fahrräder gibt es im Besucherzentrum auszuleihen.

Welche Erfahrungen habt Ihr im Nationalpark der Hoge Veluwe gemacht? Mögt Ihr dort lieber die Kunst oder die Natur? Habt Ihr Lieblingswege zu Fuß oder mit dem Rad? Ich freue mich über Eure Geschichten in den Kommentaren.


Anreise, Preise

Von Deutschland aus würde ich die Anreise zum Eingang Hoenderloo empfehlen. Der liegt im Osten des Parks und von dort sind mit dem Rad sowohl das Jagdhaus, als auch Besucherzentrum und Kröller-Müller Museum gut erreichbar.

Eintrittspreise

Tageskarte Erwachsene und Kinder bis 12 Jahre:   9,95 € (inkl. Kröller-Müller Museum: 19,90 €)

Tageskarte Kinder 6 bis 12 Jahre:                               5,00 € (inkl. Kröller-Müller Museum: 10,00 €)

Einfahrt in den Park PKW/Motorrad:                        7,05 €

Parken außerhalb des Parks:                                        3,55 €

Kinder unter 6 Jahren frei, es gibt Gruppentarife ab 20 Personen, Stand 2019

Öffnungszeiten wechseln je nach Saisons, weitere Information auf der Seite des Nationalparks.

Anreise mit dem PKW

Ab Oberhausen ca. 100 Kilometer, etwa eine Stunde Fahrzeit

Ab Münster ca. 150 Kilometer, etwa 90 Minuten Fahrzeit

Bei Anreise mit der Bahn ist die beste Verbindung über Apeldoorn, von dort gibt es regelmäßige Busverbindungen nach Hoenderloo.