Schrikkeljaar

Schrikkeljaar
Nicht erschrecken: Es ist schrikkeljaar

Heute ist ein besonderer Tag. Nicht, wenn ich aus dem Fenster schaue und die Regentropfen sehe und die grauen Wolken, ab und zu auch mal ein paar Sonnenstrahlen. Vielleicht etwas zu mild für diese Jahreszeit. Die Besonderheit ergibt sich aus dem Datum: Heute ist der 29. Februar. Schalttag. 2020 ist ein Schaltjahr.

Alle vier Jahre wird ein zusätzlicher Tag in unserer Kalender geschaltet. Damit es besser zu merken ist, geschieht das an Kalenderjahren, die durch vier teilbar sind, 2016, 2020, 2014. Meistens jedenfalls. Denn das Jahr 1900 war kein Schaltjahr, das Jahr 2100 wird ebenfalls keines sein. Das Jahr 2000 hingegen war doch ein Schaltjahr.

Die Regel dazu ist recht einfach:

  • Schaltjahr: Jahreszahl ist durch vier teilbar
  • Kein Schaltjahr:  Jahreszahl ist durch hundert teilbar
  • Doch Schaltjahr: Jahreszahl ist durch 400 teilbar

Weshalb brauchen wir Schaltjahre?

Ein Schalttag ist daher nötig, da ein voller Umlauf der Erde um die Sonne nicht exakt 365 Tage, sondern 365 Tage, 5 Stunden und etwa 49 Minuten dauert.

Die oben beschriebene Regelung unseres gregorianischen Kalenders hat eine durchschnittliche Tageslänge von 365,2425 Tagen zur Folge. Er sieht alle 400 Jahre 97 Schalttagen vor. Auch das ist nicht genau, über Jahrtausende gesehen. Denn eine exakte Regelung zu finden ist hier unmöglich. Irgendwann würde der 29. Februar in den Hochsommer verschoben werden, aber wer weiß, ob wir die Jahre dann noch zählen.

Aber weshalb heißt ein Schaltjahr nun Schaltjahr? Im Deutschen ist es recht klar, es wird in ein normales Jahr ein Tag eingeschaltet. Im Englischen heißt es leap year, also ein Jahr mit einem Sprung (darin).

Schrikkeljaar – Schrikkeldag – ein Jahr zum Erschrecken?

Im Niederländischen ist die Bezeichnung allerdings überraschend: ein Schaltjahr ist ein schrikkeljaar, der 29. Februar ist der schrikkeldag.

Schrikkel? Heute habe ich dieses Wort zum ersten Mal gehört und zugegeben etwas gestutzt. Keine Idee, was es bedeuten könnte. Höchstens vielleicht ein schreckliches Jahr, aber das kann wohl schlecht sein. Verschrikkelijk!

Na gut, ich habe nachgeschaut: schrikkeljaar leitet sich von schrikken ab. Und das bedeutet tatsächlich jemanden erschrecken oder einen Schreck bekommen. Ursprünglich, also im tiefen Mittelalter, bedeutete es allerdings aufspringen. Von dieser körperlichen Reaktion leitete sich später das Erschrecken ab. Das schikkeljaar gab es allerdings bereits, als Sprungjahr. Es hat also die gleiche Wortbildung, wie leap year im Englischen.

Auch das “l” in der Mitte erklärt sich aus der Zeit, in der es gebildet wurde. Es verbindet den Sprung, den schrikk mit dem jaar, der besseren Aussprechbarkeit wegen. Vergleichbar mit dem vastelavound, dem Fastenabend oder der Fastnacht, auch eine Wortbildung aus dieser Zeit.

Ich konnte allerdings auch eine Bedeutung für schikkel finden, überspringen in der Übersetzung. Hier vermute ich aber, dass es sich wiederum von schikkeljaar abgeleitet hat, da das Verbindungs-l ja noch enthalten ist.

Der Schalttag neigt sich fast dem Ende zu. Der Regen klopft noch ans Fenster, draußen ist es dunkel und ich habe heute wieder ein schönes Wort gelernt.

 

Über Oliver

Oliver Hübner ist Blogger und Autor - Webtextler und Westostler. Begeistert für drop, fiets, patat, Amsterdam, noordzee, stroopwafels und Nederlands praten, kurzum, für das schöne Land an Maas und Waal. Geboren in Unna, Studium in Berlin und Amsterdam, pendelt zwischen Ruhrgebiet und Mecklenburg-Vorpommern.

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