Haus Doorn mit Büste Kaiser Wilhelm II.
Beim Barte des … Kaisers

Auf dem Landgut Haus Doorn lebte der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., im niederländischen Exil. Er verbrachte dort rund zwanzig Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 1941. Das Anwesen in der Nähe von Utrecht ist heute als Museum zu besichtigen. Einige Räume zeigen eindrucksvoll noch den Zustand, in dem sie zu Lebzeiten des Kaisers eingerichtet waren.

Wie kam der Kaiser nach Doorn?

Doch blicken wir zunächst rund 100 Jahre zurück: wie kam der Kaiser nach Haus Doorn?

Am 29. September 1918 verkündete die Oberste Heeresleitung des Deutschen Kaiserreichs, Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff die Niederlage des Reichs im Ersten Weltkrieg. Das Hauptquartier befand sich in den letzten Kriegsmonaten in einem Hotel in Spa, das heute im Osten Belgiens liegt und seit 1914 unter deutscher Besatzung stand. Der noch amtierende Kaiser Wilhelm II. floh einen Monat später, am 29. Oktober 1918 aus Berlin, vor den sich abzeichnenden Unruhen und den Forderungen nach seinem Rücktritt ebendorthin, nach Spa.

Der Kaiser stand vor der Alternative, nach Berlin zurückzukehren, wo im November 1918 die Weimarer Republik ausgerufen wurde. Dort hätte er seine Verhaftung, möglicherweise seinen Tod zu fürchten gehabt. Ein Ausweg war das Exil.

Wilhelm bat also Königin Wilhelmina, in den Niederlanden ins Exil ziehen zu dürfen. Die Niederlande waren im Krieg neutral, anders als andere Länder, die ebenfalls für eine Zuflucht in Frage gekommen wären. Zudem bestand durch mehrere Heiraten unter den Häusern Hohenzollern und Oranien ein verwandtschaftliches Verhältnis.

Das Exil wurde gewährt und die geforderte Auslieferung an die alliierten Siegermächte verweigert. Zunächst zog die Familie auf das Schloss Amerongen, als Gäste des dortigen Schlossherrn. 1919 durfte das Haus Doorn / Huis Doorn erworben und 1920 bezogen werden. Dort bliebt die Familie für die Zeit bis zu Wilhelms Tod. Zu den Regeln des kaiserlichen Exils zählte auch, dass er das Anwesen nur mit Erlaubnis verlassen durfte.

Büste von Kaiser Wilhelm II. vor Haus Doorn
Des Kaisers Büste vor Haus Doorn

Rundreise: Schlösser und Landsitze

Während einer Pressereise zu Schlössern und Landsitzen mit dem Hollandmarketing NBTC besuchte ich im April 2018 auch das Haus Doorn. Ein prachtvolles Anwesen mit einem weitläufigen Landschaftspark.

Befremdliche Neugierde – Was sagt mir diese Geschichte?

Die Begegnung mit diesem für mich relativ unbekannten Kapitel deutscher Geschichte löste verschiedene Gefühle aus. Zunächst eine befremdliche Neugierde. Der Erste Weltkrieg ist in der deutschen Geschichtswahrnehmung gut hinter dem Zweiten Weltkrieg und der Nazizeit verborgen. Doch begegnet man hier einem Kapitel, das gerade einmal 100 Jahre zurück liegt. In Doorn ist die Zeit einer deutschen Monarchie spürbarer, als bei Besichtigungen anderer Schlösser, in denen die Bewohner vor allem auf großen Ölgemälden an den Wänden sichtbar sind.

Das manifestiert sich vor allem am Mausoleum, das seitlich des Wohnhauses errichtet ist. Hier wartet der verstorbene Kaiser auf die Rückkehr in sein Reich, die er aber an die Bedingung einer Wiedererrichtung der Monarchie in Deutschland geknüpft hat. Er möge lange warten!

Ausstellung Säbel in Huis Doorn
Zwispältig: Mit Prunk und Tschingderassabum – des Kaisers Säbel

Gemeinsam mit dem niederländischen Gedenkzentrum für den Ersten Weltkrieg ist Haus Doorn zugleich ein Ort des Gedenkens und des gemeinsamen Aufarbeitens der Geschichte. Es ist ein Ort, von denen ich mir in einem vereinten Europa mehr wünsche.

Das Wohnhaus

Das Wohnhaus zeigt teils sehr gedrängt die Lebenswelt der kaiserlichen Familie. Der Hausstand des Berliner Stadtschlosses zog in mehr als 50 Eisenbahnwaggons von Berlin nach Doorn. Da das Haus deutlich kleiner ist, als der repräsentative Palast der Hohenzollern, erscheint das Interieur recht dicht gedrängt.

Panoramablick in die Küche von Haus Doorn
Backen und Kochen: Panoramablick in die Küche – Klick groß

Eine Vielzahl von alltäglichen Dingen, wie schmuckvolle Tabakdosen, ein Schachspiel, das Porzellangeschirr und die Bibliothek geben einen guten Einblick in den Alltag auf Schloss Doorn. Auffällig sind die Erinnerungsstücke an Friedrich den Großen. Sehr markant: ein spezielles Besteckstück, eine Kombination aus Gabel und Messer, das dem Kaiser beim Mahl diente. Durch einen Geburtsfehler konnte Wilhelm einen Arm eingeschränkt bewegen und so nur eine Hand zum Essen gebrauchen.

Schreibtisch und Stuhl des Kaisers Wilhelm II. in Haus Doorn
Arbeit im Sattel: des Kaisers Schreibtisch und ein frühes orthopädisches Sitzmöbel

Auch am Schreibtisch: im Sattel entstehen die besten Idee

“Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.”

Dieses Zitat hat sich Kaiser Wilhelm wohl auch für seine tägliche Arbeit zu eigen gemacht: sein Schreibtischstuhl ist ein umgebauter Sattel. Er diente vermutlich auch als ein frühes ergonomisches Sitzmöbel.

Der Park

Die Anlage betritt man durch ein stattliche Portalgebäude. Auf dem Weg durch den Park zum Wohnhaus begegnet man einer strahlend weißen Büste des Kaisers. In der Parkanlage befindet sich ein nach Berliner Vorbild von Kaiserin Auguste-Victoria angelegter Rosengarten. Wir hatten das Vergnügen mit einem elektrischen Parkfahrzeug einen Eindruck von der Weitläufigkeit der Anlage zu bekommen.

Der Auguste-Victoria Garten im Park Haus Doorn
Der Auguste-Victoria Garten – Rosengarten nach Berliner Tradition

Im Park hat Wilhelm seinen Bewegungsdrang förmlich ausgetobt. Er soll 10.000 Bäume mit der Axt gefällt haben. Das Holzfällerhaus zeugt heute von dieser Aktivität.

Die Grabstätte

Der Kaiser wurde auf dem Anwesen beigesetzt. Anders seine Familie: die Särge der Kaiserin Auguste-Viktoria und der späteren Frau Hermine wurden nach Potsdam überführt.

Wilhelm wollte nicht in Deutschland bestattet werden. Einer späteren Überführung stimmte er nur zu, für den Fall, dass in Deutschland wieder eine Monarchie errichtet würde.

Gedenkstätte Erster Weltkrieg

Erst 2018, einhundert Jahre nach Kriegsende, haben auch die Niederlande einen Ort gefunden, dem Ersten Weltkrieg zu gedenken.

Haus Doorn Kriegsgedenken
Gedenken: Kornblumen und Mohn …

Durch die neutrale Rolle der Niederlande wenig betroffen, war das Land dennoch zwischen den Fronten und so mitten im Geschehen. Das wird in einer Ausstellung, die sich der Rolle und der diplomatischen Taktik der Niederlande widmet, sehr anschaulich dokumentiert.

Im Infozentrum zum Ersten Weltkrieg, Doorn
… und Erinnern: die Rolle der Niederlande im Ersten Weltkrieg

Haus Doorn / Huis Doorn: Ein lohnender Ausflug in die Geschichte

Haus Doorn ist ein lohnendes Ziel für einen Ausflug in ein wenig präsentes Kapitel der deutschen Geschichte und an einen Ort der niederländisch-deutschen Begegnung. Mich beeindruckte das Engagement, mit dem das Museum in Kooperation mit der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten und unter Mithilfe vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer lebendig gehalten wird.

Adresse:

Museum Huis Doorn
Langbroekerweg 10
3941 MT Doorn

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag von 13.00 – 17.00 Uhr
Samstag und Sonntag von 12.00 – 17.00 Uhr

Es gibt täglich eine deutschsprachige Führung.

Am 24. August sind das Museum, der Park und das Ausstellungspavillon den ganzen Tag geschlossen.

Weitere Links:

Seite des Landguts und des Museums Haus Doorn

Panoramatour durch den Park am Haus Doorn

Danke

Danke für die Einladung zu dieser Pressereise an das NBTC, die Marketinggesellschaft für die Niederlande (holland.com), besonders für die Organisation und die Begleitung vor Ort durch Alexandra Johnen.

Ebenfalls Danke für die wundervolle Betreuung vor Ort durch den Leiter der Geschäftsführung des Museums Haus Doorn, Frank Louhenapessy und die fachkundige Führung durch das Museum.