Rembrandt sagt: Pakjesavond
Pakjesavond

Leuchtende Kinderaugen: Geschenke! Bunte Päckchen in glitzerdem Papier mit Schleifchen und allem!
Ein Abend, der schon pakjesavond, also Geschenkeabend heißt, der verspricht genau das, pures Kinderglück. Der pakjesavond ist der Vorabend des Nikolaustages, der in den Niederlanden Sinterklaas genannt wird, dort allerdings der 5. Dezember ist.

Hier beginnt für mich gleich die erste Verwirrung. Nikolausgeschenke am 5. Dezember und der Nikolaustag wird ebenfalls schon am 5. Dezember gefeiert. Der Abend als Geschenkeabend, pakjesavond eben.

Ich vermute, hier hat sich das Geschenkebekommen als Hauptevent durchgesetzt. Ähnlich wie bei uns zu Lande am Heiligenabend, also dem Vorabend des Weihnachtsfestes, gibt es die Geschenke bereits einen Tag vor dem Festtag. Da war das hartnäckige Drängeln der Kinder wohl erfolgreich. Denn wer kann es schon den nächsten Tag abwarten, wenn der Geschenketag des Jahres ansteht. Und wer kann den großen Augen der Kleinen widerstehen?

“Och, Mama, bittebittebitte!”

” Na gut, aber nur in diesem Jahr, im nächsten Jahr bist Du dann schon älter und vernünftiger und kannst …”

“Juhuuuuuuuu ….”

Und nächstes Jahr? Vonwegen!

Und weil eben das Sich-Beschenken so feierlich ist, steht der Abend als Synonym für den Anlass, schließlich ist Heiligabend auch häufig das eigentliche Weihnachtsfest.

Nahe Nachbarn, unterschiedliche Tradition

Die Tradition, sich zum Nikolaustag zu beschenken entspringt in den Niederlanden im 15. Jahrhundert. Kirchlich organisiert beschenkten reiche Bürger ärmere, indem sie ihnen Geldstücke in bereitgestellte Schuhe warfen. Die Tradition des Nikolausschuhs ist ja auch in Deutschland verbreitet. Das scheint aber einer der wenigen Gemeinsamkeiten zu sein, denn in beiden Ländern entwickelte sich das Nikolausfest und das Beschenken im Dezember in gänzlich unterschiedliche Richtungen.

In den Niederlanden wurde Sinterklaas zur eigentlichen Familienfeier. Das Weihnachtsfest holt zügig auf, doch steht es der Bedeutung, den Traditionen und Ritualen dem pakjesavond um einiges nach. Wie sich Sinterklaas zu dem entwickelte, was es heute ist, welche Mischung aus Mythen und Legenden zur heutigen Form führten ist dabei gar nicht so einfach nachvollziehbar.

Sinterklaas kommt aus Spanien mit dem Dampfschiff

Klar ist: Sinterklaas, also der Heilige Nikolaus, der ja historisch gesehen aus der heutigen Türkei stammt, reist Mitte November mit einem Dampfboot aus Spanien in die Niederlande. Die Ankunft ist ein großes Event. Unter dem Jubel von Millionen Kindern landen in Häfen landauf, landab die Schiffe, eine zentrale Ankunft wird live als Fernsehspektakel übertragen.

Dort hat er einige Wochen Zeit, seine Geschenke im ganzen Land  zu verteilen. Dafür hat er viele Helfer, die Zwarte Pieten, um die es in den zurückliegenden Jahren auch eine große gesellschaftliche Debatte ob ihrer Hautfarbe und kolonialer Ausbeutung gab. Die Figur des Zwarte Piet stammt wohl auch aus einer Zeit, als der Nikolaus noch die pädagogische Rute schwang. Wir kennen den strafenden Knecht Ruprecht, der Buch führte, welche Kinder brav und welche artig waren. Unartige Kinder bekamen ein Kohlestück anstelle von Süßigkeiten.

Wie Sinterklaas es also schafft, bis zum pakjesavond alle Geschenke zu verteilen, aber trotzdem überall am 5. Dezember erscheint, auch das bleibt sein Geheimnis. Wenn er dann die Geschenke bringt, klopft er ganz konventionell an die Tür. Er fliegt nicht mit einer Rentierkutsche durch den Kamin oder das Fenster, wie es sein Verwandter Santa Claus in der neuen Welt oder das Christkind oder der Weihnachtsmann bei uns tut.

Traditionelle Geschenke sind vor allem Schokoladenbuchstaben. Aber ich vermute auch, der ganze übliche Kram an Spielzeug, Büchern, Filmen und technischem Schnick-Schnack, der bei uns zu Lande unter dem Weihnachtsbaum liegt. Alles, was ein feines pakje hergibt.